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Betriebsnachfolge in Trier: Wer übergeben will, muss gefunden werden

In der Gartenfeldstraße in Trier-Ost gibt es einen Nahkauf. Ich kaufe dort ein, wenn ich schnell etwas brauche und keine Lust auf die Fahrt zum großen M...

Betriebsnachfolge in Trier: Wer übergeben will, muss gefunden werden

In der Gartenfeldstraße in Trier-Ost gibt es einen Nahkauf. Ich kaufe dort ein, wenn ich schnell etwas brauche und keine Lust auf die Fahrt zum großen Markt habe. Vielen im Viertel geht es so.

Gerhard und Hannelore Surges führen den Laden seit 22 Jahren. Im Mai 2027 gehen sie in den Ruhestand, geöffnet ist regulär bis zum 15. Mai. Ein Nachfolger hat sich bislang nicht gefunden. Das berichtete sol.de am 6. August, die Zitate stammen ursprünglich aus dem Trierischen Volksfreund.

Ein Laden weniger ist bei uns im Viertel mehr als "nur" ein Laden weniger

Für mich wäre das ärgerlich. Für die ältere Nachbarin, die keinen Wagen mehr fährt, ist es etwas anderes. Der nächste große Markt ist zu Fuß keine Erledigung mehr, sondern ein Ausflug. Nahversorgung heißt genau das: Der Laden ist nah, sonst ist es keine Versorgung.

Deshalb ist eine Nachfolge im Einzelhandel und im Handwerk keine reine Privatsache zwischen zwei Kaufleuten. Sie entscheidet mit darüber, wie ein Stadtteil in zehn Jahren funktioniert. Und sie scheitert oft nicht am Geld, sondern daran, dass sich Übergeber und Übernehmer nie begegnen.

Interessierte suchen in der Regel online

Ein Interessent kommt heute selten über den Tresen herein. Er sitzt abends am Rechner und tippt Dinge ein wie „Laden übernehmen Trier" oder „Betrieb Nachfolge Region Trier". Das ist meine Einschätzung aus der Beobachtung, aber sie deckt sich mit dem, was Kammern seit Jahren empfehlen.

Für genau diese Suche gibt es einen offiziellen Weg, den viele nicht kennen: nexxt-change, die Betriebsbörse von Bund, Ländern und Kammern. Der Eintrag ist kostenlos und anonym, rund 800 regionale Partner sind angeschlossen, darunter die Handwerkskammer Trier, die IHK und Banken. Wer übergeben will, kann sein Unternehmen dort einstellen, ohne dass Kundschaft oder Belegschaft davon erfahren. Die Handwerkskammer Trier verweist selbst darauf und berät kostenfrei dazu.

Das ist der erste Handgriff, und er kostet nichts außer einer Stunde Zeit.

Was ein Interessent sieht, bevor er anruft

Der zweite Handgriff ist unbequemer. Wer den Namen eines Betriebs in die Suche eingibt, bildet sich in dreißig Sekunden ein Urteil. Findet er ein Google-Profil mit aktuellen Öffnungszeiten, ein paar Fotos vom Laden und fünfzehn echten Bewertungen, dann sieht er einen Betrieb, der lebt. Findet er einen Eintrag ohne Bild, mit Öffnungszeiten von 2019 und einer Telefonnummer, die auf ein altes Fax läuft, dann sieht er ein Auslaufmodell.

In beiden Fällen kann derselbe gesunde Betrieb dahinterstehen. Aber die Bank, die den Kauf finanzieren soll, schaut genauso nach. Und ein Steuerberater, der den Wert ermittelt, argumentiert leichter für einen guten Preis, wenn der Betrieb nach außen sichtbar funktioniert.

Der Auftritt bildet nicht ab, wie gut der Laden wirklich läuft. Er bildet ab, wie gut er wirkt. Bei einer Übergabe wird aus diesem Unterschied ein Betrag.

Was du selbst machen kannst, ohne einen Euro auszugeben

Ein Google-Unternehmensprofil legst du in einer halben Stunde an oder übernimmst ein bestehendes. Öffnungszeiten korrigieren, drei aktuelle Fotos hochladen, die Kategorie richtig setzen, auf alte Bewertungen antworten. Stammkunden um eine Bewertung zu bitten kostet nichts und ist auch nicht peinlich, die meisten machen es gern, wenn man konkret fragt.

Wenn es eine Website gibt, gehören Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten überall identisch hin. Verzeichnisse gleichen diese Angaben untereinander ab. Steht an einer Stelle etwas anderes, wandert der Fehler von allein weiter.

Die Zugänge gehören zum Betrieb, nicht zum Neffen

Ein Punkt, der bei fast jeder Übergabe zu spät auffällt: Wem gehören Domain, Postfach und das Google-Profil. In kleinen Betrieben hat das oft vor zwölf Jahren ein Bekannter oder ein Familienmitglied eingerichtet, auf den eigenen Namen und mit der eigenen Mailadresse. Solange nichts passiert, merkt das niemand.

Beim Verkauf wird daraus ein Problem. Der Nachfolger übernimmt einen Betrieb, kommt aber an die Domain nicht heran, unter der ihn seit zwanzig Jahren alle finden. Ein Google-Profil ohne Inhaber lässt sich zwar zurückholen, das dauert aber Wochen und geht schief, wenn der ursprüngliche Ersteller nicht mehr erreichbar ist.

Prüf das einmal, solange es ruhig ist. Domain, Hoster, Mailkonto, Google-Profil, Social-Media-Konten. All das sollte in deiner Hand liegen.

Drei Jahre klingen nach viel, sind es aber nciht.

Die Kammern rechnen bei einer Übergabe mit einem Vorlauf von mehreren Jahren. Käufer finden, Zahlen aufbereiten, Wert ermitteln, Finanzierung klären, einarbeiten. Wer im Mai 2027 aufhören will und im Sommer 2026 anfängt zu suchen, hat sich das Feld schon eng gemacht.

Falls du das liest und selbst in fünf oder acht Jahren aufhören willst: Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die Vorbereitung in Ruhe vorbereitet werden kann.

Und wenn du in Trier-Ost wohnst, geh in der Gartenfeldstraße einkaufen. Ein Laden, der bis zuletzt läuft, findet eher einen guten Nachfolger - so meine Hoffnung!

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